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Die Hauptdistanzwaffe

Über Jahrtausende hinweg: Hauptdistanzwaffe des Menschen!

Obgleich Pfeil und Bogen über Jahrtausende hinweg die Hauptdistanzwaffe schlechthin darstellten, wurden sie interessanterweise in den verschiedenen Kulturen der Erde recht unterschiedlich bewertet. Teils sah man den Umgang mit dem Pfeilbogen als „feige“, „knabenhaft“ oder „heimtückisch“ an (etwa bei den alten Griechen, oder den Germanen), teils sah man in ihnen auch eine gar königliche Bewaffnung (vor allem in den ostasiatischen und orientalischen Regionen).
Definitiv erreichte die Kriegswaffe „Bogen“ im europäischen Mittelalter ihren Höhepunkt, ganz besonders hervorzuheben sind dabei die englischen Langbogenschützen, die wohl keinen geringen Anteil daran hatten, dass sich das Zeitalter des europäischen Rittertums im Laufe der hundertjährigen Auseinandersetzung zwischen England und Frankreich langsam dem Ende neigte. Wie aus zahlreichen Schlachten, so z.B. Grecy 1346, Poitiers 1356, oder Agnicourt 1415, berichtet wird, durchschlugen die Pfeile der englischen Schützen die Panzer der französischen Reiter mit verheerender Wirkung, und auch was die Feuerfrequenz anbelangt, waren die englischen Langbogenschützen (12 Pfeile/Minute) den gegnerischen Armbrustschützen (1 Bolzen/Minute) überlegen.

Nebst den Bogenschützen von den britischen Inseln, waren es vor allem die Reitervölker des Ostens, die mit ihren hoch entwickelten, sehr handlichen Kompositbogen (zu Pferde!) in die Schlacht zogen und einmal mehr die Schwäche der schwer gepanzerten und damit unbeweglichen europäischen Ritterschaft aufzeigten.

Erst durch das Auftreten der Feuerwaffen am Ausgang des Mittelalters wurde der Bogen in kriegerischen Auseinandersetzungen verdrängt. Grund hierfür war allerdings nicht etwa eine Unterlegenheit von Pfeil und Bogen, sondern ein ganz anderer: Armbrust- und Musketenschützen waren wesentlich leichter auszubilden und somit billiger, die sichere Beherrschung des Bogens setzte hingegen jahrelanges Training voraus.

Ein Blick über den Atlantik verrät, dass der Bogen in den nordamerikanischen Indianerkriegen des 19. Jahrhunderts immer noch eine gefürchtete Waffe gewesen ist, der erst mit Einführung der Repetiergewehre Einhalt geboten werden konnte.